Michael,
meine Zeit als Geräteentwickler ist zwar schon einige Jahre her, aber aus der Erfahrung kann ich Dir nur folgende Vorgehensweise empfehlen (Profis machen es auch nicht anders - außer wenn sie ausschließlich auf der Halbleiterebene entwickeln und ICs produzieren):
a) 1. Stufe grob auf dem Papier entwerfen, simulieren, soweit es das Programm und die Zeit (!) zulassen (realitätsnahe Simulationen kosten viel Entwurfs- und Rechenzeit), Testaufbau erstellen und MESSEN; dann optimieren und wieder MESSEN.
b) 2. Stufe: wie 1. Stufe
c) beide Stufen zusammen: MESSEN, optimieren und wieder MESSEN.
Und so weiter... bis der Testaufbau der gesamten Funktionsbaugruppe steht. Nur wer sehr viel Erfahrung im HF-Leiterplattenlayouten hat kann davon ausgehen, dass bereits ein erster Entwurf einer nicht ganz so komplexen Schaltung mit nur wenigen Änderungen funktioniert. In unserer Firma, wir haben VHF- und UHF-Equipment und später Handies entwickelt, waren 6 - 8 Leiterplattendurchgänge üblich, bis eine Schaltung reproduzierbar und produktionsreif war! Bei uns Funkern kann man natürlich für die "Eigenproduktion" einige Leiterplattenänderungen mit sog. "grünen" Drähten akzeptieren, dennoch kann es gravierende Unterschiede zwischen einem Testaufbau und der endgültigen Leiterplatte geben.
Aus meiner Sicht lassen sich - zumindest in KW-Bereich - Simulationsergebnisse insbesondere passiver Netzwerke - unmittelbar und ohne Änderung in einer späteren Schaltung umsetzen. Aber bereits bei den Schnittstellen, vor allem mit aktiven Stufen, kann es großen Optimierungsbedarf geben, wenn man nicht darauf geachtet hat, auch die Schnittstellenimpedanzen (im Grunde alle 4 s-Parameter!) bei der Simulation strikt zu berücksichtigen. Und die Feinarbeit lässt sich nur am Messplatz erledigen. Dazu gehört wenigstens ein, besser zwei brauchbare Generatoren mit definiertem Ausgangspegel, ein Spektrumanalyzer und ein Netzwerktester als Ersatz für einen Netzwerkanalyzer.
Messen ist leider durch keine Simulation zu ersetzen um eine einigermaßen profinahe Entwicklung zu bewerkstelligen! Ansonsten ist eine empirische Optimierung einer Schaltung kein Nachteil, sie geht oft mit einigen Erfahrungswerten vielmals schneller als Berechnung und Simulation. Aber ums Messen kommt man dabei erst recht nicht herum.
Nur mal so als Anleitung - so lassen sich auch die "unverständlichen" Bücher im Nachhineien ganz gut nachvollziehen...
73, Uli, DK4SX
P.S.: Bei meinen eigenen Projekten gehe ich selbstverständlich auch so vor, siehe
www.mydarc.de/dk4sx, Rubriken Projekte und Restauration